Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Meppen

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Inhalt: Investitionsmaßnahmen

Die Grundinstandsetzung der Schleusen an der DEK-Nordstrecke

Allgemeines

Nach über 50-jähriger Standzeit sind die Schleusen an der DEK-Nordstrecke fällig für eine gründliche Instandsetzung. Die Bausubstanz ist deutlich angegriffen und die Schleusen entsprechen nicht mehr den verkehrlichen Anforderungen, da sich die Flotte wesentlich verändert hat (größere Schiffe). Die Planung und Durchführung der Grundinstandsetzung für die Spundwandschleusen Varloh, Hilter, Düthe und Bollingerfähr sowie die Massivbauschleuse Hüntel wurden mit Projektauftrag vom WSA Meppen an eine Projektgruppe beim WSA Bremen vergeben. Wegen fehlender Kapazitäten beim WSA Meppen war dieser Schritt erforderlich und beim WSA Bremen stand Personal aus dem Neubausachbereich (Staustufe Bremen) zur Verfügung. Ein Kooperationsvertrag zwischen der WSD West und der WSD Nordwest besiegelte diese wohl einmalige WSD-übergreifende Projektarbeit.

Generelles zu den Maßnahmen und der Abwicklung

Im Vordergrund steht die Grundinstandsetzung der neuen Schleusen in baulicher und verkehrlicher Hinsicht. Die neuen Spundwandschleusen wurden in den 1950-iger Jahren gebaut. Die Schleuse Hüntel wurde 1928 gebaut und nimmt als Massivschleuse einen Sonderfall ein. Nach so langer Zeit - praktisch die halbe Lebensdauer - ist eine Instandsetzung und Anpassung an den Verkehr üblich. Zur Aufrechterhaltung der Schifffahrt werden die alten Schleusen aktiviert bzw. hierfür vorab so weit instandgesetzt, dass sie die Schifffahrt während der Sperrung der neuen Schleusen übernehmen können. Die Maßnahmen sind langfristig angelegt und dauern nach heutigem Stand bis 2012. Ein Volumen von über 30 Mio. € Haushaltsmittel ist für die Realisierung der Projekte eingeworben. Die Projektgruppe beim WSA Bremen fertigt hierzu die entsprechenden Entwürfe-AU und schreibt die Leistungen in Fachlosen aus. Während der Ausführung übernimmt die Projektgruppe auch die Betreuung der Arbeiten vor Ort. Bauaufseher des WSA Meppen unterstützen die Durchführung der Maßnahmen. Nachdem der Projektauftrag 2003 erteilt wurde, sind einige Maßnahmen bereits realisiert. Hierzu zählen die alten Schleusen Varloh, Hilter und Düthe sowie die neuen Spundwandschleusen Varloh und Bollingerfähr.

Die alten Schleusen

Bevor die neuen Schleusen grundinstandgesetzt werden können, war es erforderlich, die alten Schleusen zu ertüchtigen. Die alten Schleusen Varloh, Hilter und Düthe waren ohne Weiteres so nicht in der Lage, die Schifffahrt (mit Einschränkungen in Breite und Abladetiefe) zu übernehmen. Die Tore waren so stark geschädigt, dass sie nicht benutzt werden konnten. Bei der Schleuse Varloh wurden das Unter- und Obertor, bei der Schleuse Hilter das Untertor und bei der Schleuse Düthe das Obertor erneuert. Die alte Schleuse Bollingerfähr ist bereits ertüchtigt worden. Die Tore der alten Schleusen bestehen aus Stemmtoren. Die alten Tore wurden einschließlich der festen Teile ausgebaut und entsorgt. Neue Tore wurden eingebaut. Diese wurden von der Firma SAT aus Schwerin gefertigt. Pünktlich zur Trockenlegung der ersten neuen Spundwandschleuse (Schleuse Varloh) wurden die Maßnahmen beendet und Mitte 2006 abgenommen.

Die Spundwandschleusen

Die neuen Schleusen Varloh, Hilter, Düthe und Bollingerfähr sind bauartgleiche Schleusen mit einer Kammer aus Stahlspundwänden. Ziel bei der Instandsetzung aller neuen Schleusen ist die bauliche Ertüchtigung und die Anpassung an den kommenden Verkehr. Außerdem sollte die Betriebssicherheit wesentlich verbessert werden.

Folgende Maßnahmen stehen im Vordergrund:

Durch die Vorgabe, die Standzeit der stahlbaulichen und maschinenbaulichen Komponenten wesentlich zu erhöhen, konnte das System der alten Füll- und Entleerungsverschlüsse nicht beibehalten werden. In den neuen Toren werden statt Rollschütze Zugsegmente eingebaut. Diese sind wesentlich weniger schwingungsempfindlich. Auch der Torunterwagen wurde neu konzipiert. Durch die neuen Füll- und Entleerungsverschlüsse war auch eine neue Energieumwandlung hinter dem Obertor zu ergründen. Dies ist erforderlich, um eine ruhige Schiffslage bei kurzen Füllzeiten während der Berg-schleusung zu garantieren. Dieses erfolgte in Zusammenarbeit mit der BAW Karlsruhe, wo Modellversuche durchgeführt wurden. Die Stoßschutzanlage sorgt dafür, dass keine Toranfahrungen mehr erfolgen und die Schleuse für die Reparatur gesperrt werden muss. Im Bereich der Schleusenkammer sind die umfangreichen Arbeiten zur Entschichtung der Kammer und die Instandsetzung der Ausrüstung anzuführen. Außerdem sind die Tiefbauarbeiten für den Einbau der neuen Schienen für den Torunterwagen und die schwierige Herstellung der Kaverne für den Stoßschutz zu erwähnen. Zentraler Punkt der Grundinstandsetzung ist aber auch die vollständige Erneuerung der elektro- und nachrichtentechnischen Ausrüstung. Durch den Einbau moderner Komponenten in den neu hierfür erstellten Betriebsgebäuden werden die Anlagen für die Fernsteuerung vorgerüstet. Die Schleuse Varloh kann bereits von der Fernbedienzentrale Meppen ferngesteuert werden. Die übrigen Schleusen folgen nach der Grundinstandsetzung und der Verlegung des Lichtwellenleiterkabels.

Schleuse Hüntel

Die Schleuse Hüntel nimmt eine Sonderstellung unter den Schleusen ein. Die Kammer besteht aus einem Beton-Halbrahmen mit einer Klinkerschale verblendet und wurde 1928 gebaut. Sie ist mit über 220 m Nutzlänge wesentlich länger als die Spundwandschleusen mit ca. 160 m. Wegen der nicht mehr standsicheren Poller wurde eine Pollersanierung durchgeführt. Exemplarische Pollerreihen wurden durch neue Poller ersetzt. Die umfassende Instandsetzung der Schleuse Hüntel erfolgt ab 2011. Ursprünglich war laut Entwurf-HU die Herstellung einer neuen Vorsatzschale vorgesehen. Diese umfangreiche Maßnahme, bei der die alte Kammerwand bis in 50 cm abgestemmt wird, ist zeit- und kostentreibend. Der gute Zustand der Anlage führt zu der Frage, ob das alles wirklich notwendig ist. Gemeinsam mit der BAW Karlsruhe wurden genauere Untersuchungen der Kammerwand durchgeführt. Bohrkerne wurden entnommen und die Grenzschicht zwischen Mauerwerk und Beton auf Risse und Klüfte überprüft. Es gibt eine begründete Aussicht auf den Verzicht der neuen Vorsatzschale. Eine Injektion der Hohlräume zwischen Mauerwerk und Beton könnte ausreichen. Schließlich steht das Bauwerk seit 80 Jahren ohne größere Schäden. Gemeinsam mit der Pollerinstandsetzung wurden Probeinjektionen zur Verdämmung der Hohlräume mit verschiedenen Materialien durchgeführt. Die Ergebnisse hieraus werden in den Entwurf-AU der Schleuse Hüntel eingearbeitet. Der Verzicht auf einen vollständigen Ersatz der Vorsatzschale ist aus heutiger Sicht wahrscheinlich.
Nach über 4-jähriger Projektarbeit hat sich die Zusammenarbeit mit den Kollegen des WSA Meppen gefestigt und in jeder Hinsicht bewährt. Für das entgegengebrachte Verrauen in die Mitarbeiter der Projektgruppe und das WSA Bremen sage ich an dieser Stelle als Projektleiter "Herzlichen Dank"!

Jürgen Grabau