Inhalt: Wehranlagen
Wehranlagen erfüllen einen wichtigen Bestandteil bei der Sicherstellung einer für die Schifffahrt ausreichenden Wasserstiefe in Flüssen und Kanälen. Sie werden in Kombination zu einer Schleuse in den jeweiligen Seiten- bzw. Altarm gebaut und dienen zur Regulierung des Wasserstandes, indem sie den Wasserstand aufstauen. Im Staubereich wird der Wasserspiegel angehoben und das Gefälle verringert. Durch den aufgestauten Wasserstand wird die Schiffbarkeit verbessert, beziehungsweise diese erst hergestellt.
Wehr Versen
Funktionsweise
Man unterscheidet zwei grundsätzliche Arten von Wehren: Feste Wehre und Bewegliche Wehre.
Feste Wehre
Die festen Wehre sind hinsichtlich der Bau- und
Unterhaltungskosten erheblich preiswerter als bewegliche Wehre. Sie
werden heute aus Stahlbeton oder Spundwänden errichtet. Früher dienten
Holz, Ziegel oder Natursteine als Baustoff. Feste Wehre haben aber den
großen Nachteil, dass eine Regulierung des Stauspiegels nicht möglich
ist. Außerdem können feste Wehre bei Hochwasser nicht herausgezogen
bzw. in der Höhe verstellt werden. Deshalb werden heute in der Regel nur noch bewegliche Wehre gebaut.

Im Amtsbereich des WSA Meppen befinden sich 3 feste Wehre:
- Wehr Hanekenfähr mit einer Wehröffnung als fester Wehrrücken - Breite: 61,37 m
- Kulturwehr Geeste - Breite: 66,08 m
- Kulturwehr Varloh - Breite: 60,00 m
Bewegliche Wehre
Bewegliche Wehre gestatten bei Hochwasser eine teilweise oder vollständige Beseitigung des Staus.Beim Ausbau des DEK am Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der hiesigen Gegend zwei Wehrformen gebaut. Die Wehre Versen bis Bollingerfähr (Durchflussbreite50,60 m) waren Nadelwehre und das Wehr Herbrum (Durchflussbreite 51,00 m) war ein Schützenwehr.
Nadelwehre waren klappbare, einseitig auf der Wehrsohle befestigte Stahlkonstruktionen und bestanden aus dem Nadelbock, der Nadellehne und den Nadeln. Bei Normalstau standen die Nadelböcke, die untereinander mit Ketten verbunden waren und mit diesen aufgerichtet werden konnten, senkrecht im Flusslauf. Die Ems wurde dabei durch dicht nebeneinander stehende, 3,50 m lange Vierkanthölzer, die sog. Wehrnadeln, aufgestaut. Durch das Einsetzen bzw. Ziehen dieser Nadeln können Durchflussöffnungen für das Wasser geschaffen oder geschlossen werden und somit kann auch der Durchfluss reguliert werden. Durch das Setzen der Nadeln war eine Regulierung des Wasserstandes um bis zu 2,00 m möglich.as Wasser geschaffen oder geschlossen werden und somit kann auch der Durchfluss reguliert werden.

Bei Eisgang und Hochwasser wurden die Wehrnadeln, die Wehrböcke und Wehrlehnen seitlich in den Flußlauf abgeklappt, um einen ungehinderten Wasserabfluss zu ermöglichen. Unterhalb des Wehres Versen befindet sich heute noch ein Nadelwehr, das als Notverschluss für das v.g. Wehr dient.
Ein Schützenwehr besteht aus mehreren Pfeilern mit dazwischen liegenden Öffnungen. Diese
können mit senkrecht schließenden Schütztafeln verschlossen werden.
Das Schützenwehr muss sowohl gegen das Wasser stromauf, als auch
stromabwärts kehren. Über den Schützen befindet sich eine Laufbrücke, von
der aus die Schütze mechanisch betätigt werden können.
Ein Schützenwehr befindet sich heute noch am Goldfischdever am
Küstenkanal bei Dörpen.

In der schiffbaren Ems wurden nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hauptsächlich Klappenwehre mit Fischbauchklappen gebaut. Die Fischbauchklappe ist durch ihre Doppelwandigkeit sehr verwindungssteif und erlaubt daher einen einseitigen Antrieb. Der Antrieb der Klappe erfolgt durch einen Elektromotor über eine Zahnstange. Die seitlichen Häupter sowie die Sohle sind aus Stahlbeton und durch eine Stahlspundwand eingefasst. Diese Wehrform finden wir in Lingen-Hanekenfähr, Versen, Hilter, Düthe, Bollingerfähr und Herbrum. All diese Wehre haben zwei Öffnungen je 30,00 m.

Wehranlagen im Amtsbereich des WSA Meppen
| km | Bezeichung | BWaStr. | Baujahr | Anzahl der Wehrfelder |
max. Fallhöhe (m) |
| 172,180 | Wehranlage Versen | Wehram Hüntel | 1938 | 2 | 2,60 |
| 84,635 | Wehranlage Hanekenfähr | Ems | 1896 | 4 | 0,00 |
| 186,690 | Wehranlage Hilter | Wehrarm Hilter | 1953 | 2 | 1,10 |
| 191,880 | Wehranlage Düthe | Wehrarm Düthe | 1955 | 2 | 2,20 |
| 205,960 | Wehranlage Bolllingerfähr | Wehrarm Bolllingerfähr | 1952 | 2 | 1,80 |
| 212,040 | Wehranlage Herbrum | Wehrarm Herbrum | 1959 | 2 | 1,35 |
| 64,280 | Wehranlage Goldfischdever | Küstenkanal | 1971 | 4 | 1,50 |
| 110,150 | Kulturwehr Geeste | Ems | 1957 | 1 | 0,00 |
| 113,600 | Kulturwehr Varloh | Ems | 1957 | 1 | 0,00 |

Übersicht zur Lage der Wehranlagen
(Zuordnung erfolgt über die oben beim Bauwerk angegebene Kilometerangabe)
